Selters
  an der Lahn


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Bergbau in und um Löhnberg-Selters an der Lahn
Die "Löhnberger Hütte" ist eine der ältesten Eisenverarbeitungsstätten in der Region. Bereits 1404 siedelte sie sich stationär am Kallenbach in Richtung Niedershausen an. Vorher konnte man Eisen nur schmieden, ab dem 15. Jahrhundert konnte man es nun auch gießen, was eine breite Verwendung gusseiserner Gegenstände ermöglichte. 1618 goss die Hütte zu Löhnberg 100 eiserne Öfen verschiedener Größen. Schon vor 1800 gab es eine Grube am Bornberg und es kam "Im Hinterfeld" Richtung Ahausen zur Eisenerzgewinnung. Graf Karl August von Nassau-Weilburg belehnte 1724 eine "Gewerkschaft zur Förderung der Kupferwerker" mit dem unweit von Selters gelegenen Kupferbergwerk "Carlsgrube". 1811 wurde die Erlaubnis zum Schürfen nach Eisenerz in der Gemarkung Selters, Distrikt "Rothenstein, dem Acker auf dem rothen Stein im Hinterfeld" offiziell erteilt. Der Oberbergmeister Friedrich Wilhelm Jung stellte 1812 eine Liste der Gruben auf die zur Löhnberger Hütte lieferten. Dazu gehörten drei aus Holzmangel nicht mehr befahrene Gruben aus Selters, die im Tagebau betrieben wurden: 1. Ein altes Werk bei Selters, das später unter dem Namen Rothenstein lief, 2. eine Eisensteingrube auf einem Ackerfeld bei Selters und 3. das Werk "Im Strüthchen" an der Grenze zwischen Selters und Ahausen. Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts arbeiteten in diesen 3 Gruben insgesamt 6 Bergleute, die zusammen 660 Wagen Erz förderten. Philipp Schnabel von Selters, Besitzer einer Eisensteingrube im Selterser Struthgen, klagte 1815 gegen einen Peter Schneider aus Ahausen wegen der Schürfrechte. In gleicher Akte wird auch das Kupferbergwerk zu Selters erwähnt. Im Walddistrik Richtung Drommershausen in der Nähe des Steinzlerhofes mit dem Namen "Gebrannte Heck 1. Stück" wurde 1857/1901 Bergbau auf Eisenerz und Mangan betrieben und im Distrikt daneben "Die Ziegengräben" gab es 1857 und 1866/67 Untersuchungen nach Eisenerz. Ebenso gab es Untersuchungen im Gebiet "Die gleiche Heck" 1857 und im Gebiet "Die Kämmerberg" an der Grenze zu Biskirchen in den Jahren 1863-1866 und 1906-1912, wo ein 400 m langer Erkundungsstollen angefahren wurde, aus dem später das Trinkwasser der Gemeinde Selters gewonnen wurde. Am 18. Februar 1910 kaufte Krupp die Grube "Gebrannte Heck", die 1868 bis 1872 sowie 1899 bis 1909 in Betrieb war.

Das Herzogtum Nassau schloss 1844 mit Preußen und dem Großherzogtum Hessen einen Staatsvertrag über die Schiffbarmachung der Lahn zwischen Limburg und Gießen. Bereits 3 Jahre später war die Lahn von der Mündung bis Wetzlar befahrbar. Doch dieser Weg war 215 Tage im Jahr eingeschränkt, z.B. durch Hochwasser, Eisgang oder Niedrigwasser. Damals bekam ein Fuhrmann für die Beförderung von 250 Pfund Eisenstein 4 Silbergroschen und 3 Pfennige, was durchaus lohnend war. Durch den Betrieb der Lahntalbahn zwischen Koblenz und Gießen im Jahr 1863 wurde die Beförderung dann erheblich erleichtert.

Die Grube Jupiter im Walddistrikt "Die gleiche Heck" war die Selterser Grube mit der größten räumlichen Ausdehnung. Seit 1858 wurde dort Eisenerz abgebaut. Durch das Verschmelzen mit den Gruben "Uranus", "Die Ziegengräben", "Saturn" und "Hercules" entstand zwischen 1858 und 1861 dieses große Feld zum Eisenerzabbau. 1897 wurde die Grube von Krupp erworben. Zwei Eisenerzlager mit geringem Gehalt wurden 1906 in diesem Feld erkundet.

1864 wurden in der Selterser Grube Rothenstein 67933 Zentner Eisenstein gefördert und es waren 19 Mann damit beschäftigt. Bei Ahausen begann man im Feld Liebenstein mit dem tiefen oder Louisen-Stollen 1869 und erreichte das Erzlager im August 1874 in 70 m Tiefe. Das Lager ist in diesem Feld 300 m lang. Auf demselben Zug liegen in Richtung Nordosten die Gruben Buchwald zwischen Ahausen und Selters und die bereits erwähnte Grube Rothenstein bei Selters. Auch das Ahäuser Bergwerk Strütchen reichte bis rüber nach Selters. 1897 übernahm Krupp die Grube "Strütchen II" vom Preußischen Fiskus und förderte dies Erz nach 1942 zusammen mit dem Erz der Grube Rothenstein über die Grube Buchwald, von der später noch berichtet wird.

Im Eisenerzfeld Gottesgabe bei Selters wurde gelber Ocker gewonnen - also Brauneisenstein, der im Gegensatz zum Roteisenstein Wasser gebunden hat.

Des Weiteren existierte im Wald Richtung Drommershausen ein Basaltbruch in der Gemarkung "Steinköppel", aus dem Pflastersteine hergestellt wurden, und ein Schaltsteinbruch an der Kreisstraße von Selters kommend in Richtung Drommershausen auf der linken Seite. Der Tuffstein aus diesem Schaltsteinbruch findet sich heute in vielen Gebäuden Selters wieder.

Um 1900 verdiente ein Hauer im Lahnbergbau 1,80 Mark für eine achtstündige Arbeitsschicht. Zum Vergleich: 1 Kilogramm Weizenmehl kostete 0,80 Mark.

Das Eisenerzbergwerk Buchwald wurde anfänglich auch Buchholz genannt. Schon seit dem 17. Jahrhundert versorgte es die Löhnberger Hütte mit Eisenerz. Es ging am 22.9.1829 an die Herzoglich-Nassauische Domänenverwaltung und 1867 über auf den Preußischen Bergfiskus. Nach dem Wegfall der Löhnberger Hütte wurde der Betrieb jedoch bald wieder aufgegeben. Am 1. April 1897 wurde das Bergwerksfeld dann an die Firma Friedrich Krupp aus Essen verkauft. Erst 1905 begann Krupp mit den Arbeiten an einem Schacht 300 m über dem Weg von Selters zur Grundbachstraße und 100 m vor dem Waldrand. Um die Bürgermeister von Selters und Ahausen zu beruhigen, die ihre Hochdruckwasserleitungen durch die Grabungen bedroht sahen, wurde der Schacht 1906 neu aufgefahren, diesmal 100 m weiter östlich und 6m höher. Der Betrieb begann mit 13 Angestellten. Nach 600 m Stollenlänge erreichte man 1909 das Erzlager, das hier 2 Meter hoch war und begann ebenso wie in den Nachbarfeldern Rothenstein und Strütchen II mit dem Abbau. Lediglich im März 1906 wurde wegen Absatzmangel hier Kurzarbeit gemacht. 1920 wurde eine Benzollokomotive eingeführt. Später wurde elektrifiziert und eine Rotations-Kompressoranlage zur Presslufterzeugung für die Bohrmaschinen eingeführt. Die heute noch bestehenden Gebäude in der Nähe der Fussgängerbrücke entstanden 1927. Die Belegschaft betrug zu Spitzenzeiten 1937 90 Mann, ging bis zum Ende 1948 allerdings auf 31 Mann zurück. Die gesamte Fördermenge betrug in dieser Zeit 600.000 t Eisenerz und am Ende war die Grube noch nicht erschöpft. Durchschnittlich enthielt das Erz 42 % Eisen, 35 % Siliziumdioxid und 2 % Kalziumoxid.

Das Erz wurde ursprünglich mit Schiffen über die Lahn abtransportiert. Ab August 1917 konnte es dann über eine Brücke zum Bahnhof Löhnberg gebracht werden. Dort wurde es an der Rampe vom Löhnberger Bahnhof verladen, wo heute die Verladung der Tone mit Lastwagen von den Tongruben aus Mengerskirchen erfolgt, die von hier mit der Bahn über Limburg nach Italien transportiert werden.

Die beschäftigten Bergleute des Werks Buchwald wurden nach 1948 auf der benachbarten Grube Waldhausen weiterbeschäftigt, wo der Erzabbau bis zum 15. Dezember 1966 weiterging. Danach wurde dort noch das Erz aus der Grube Fortuna bei Oberbiel bis zu deren Stilllegung am 4. März 1983 aufbereitet.

Quellen:
  1. An Lahn und Kallenbach, 1993, herausgegeben vom Gemeindevorstand der Gemeinde Löhnberg, S. 175 ff.
  2. HHSTA. Wsbd. Abt 160/2083, anno 1801-1811
  3. An Lahn und Kallenbach, 1993, herausgegeben vom Gemeindevorstand der Gemeinde Löhnberg, S. 194 ff.
  4. HHSTA. Wsbd. Abt. 160/2074, anno 1766-1815
  5. 800 Jahre Drommershausen - Ein Streifzug durch die Dorfgeschichte
  6. Das Berg- und Hüttenwesen im Herzogtum Nassau, Stat. Nachrichten, Band 1
  7. Beschreibung des Bergreviers Weilburg, Fr. Wenckenbach, Bonn 1879
  8. Der Eisenerzbergbau in allen Stadtteilen von Weilburg während der letzten 200 Jahre, Alfred Hofmann, S. 32 ff.
  9. Eisenerzbergbau in Hessen, Förderverein Besucherbergwerk Fortuna e.V., Wetzlar 1985, Seite 219-224
Karten zum Bergbau in Selters, Quelle: Openstreetmap.org, Lizenz CC-BY-SA 2.0, 13.03.2015 8:30 Uhr
Karte von Selters mit der Grube Buchwald

Karte von dem Ort Selters

Karte von Selters mit Bornberg und Napoleoneiche

Karte von Selters bis zur Grenze nach Braunfels

Karte von Selters mit Steinköppel und Kammerberg